Bildung

Aspekte zeitgenössischer Bildungstheorien

Aspekte zeitgenössischer BildungstheorienAspekte zeitgenössischer Bildungstheorien

Als Bildungstheorie wird der wissenschaftliche bzw. systematische Umgang mit Bildung oder dem Bildungsbegriff bezeichnet. Typische Fragestellungen der Bildungstheorie gehen dabei auf die gesellschaftliche, wirtschaftliche bzw. individuelle Bedeutung von Bildung ein.
Weiterhin steht die zentrale Frage im Raum, welche Inhalte Bildung verfolgen soll. Außerdem inkludiert die Bildungstheorie didaktische Ansätze, die auf Probleme rund um die Vermittelbarkeit von Bildungsinhalten hinweist.

Historische Ansätze der Bildungstheorie

Im Laufe der Zeit wurde der Begriff der Bildung immer wieder diskutiert. Wurde der Begriff „Bildung“ im deutschen Sprachraum erstmals mit dem Philosophen Meister Eckhart in Verbindung gebracht, wurde im 17. Jahrhundert erstmals systematisch über die Theorie von Bildung in Anknüpfung an die Aufklärung im Neuhumanismus um 1800 diskutiert.

Die im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts aufkommende Bewegung der Menschenfreude fokussierte sich auf ein schulisches Bildungskonzept, das sich von der neuhumanistischen Bildungspragmatik distanzierte.

Immer wieder stand die Frage im Raum, inwiefern Bildungsprogrammatik als standesbürgerlich und nicht als allgemeine Menschenbildung gelte.

Die Entwicklung der Bildungstheorie im 19. Jahrhundert

Erste kritische Entwürfe wurden laut, denen zufolge altsprachliche Fächer wie Lateinisch oder Altgriechisch in Verruf gerieten und stattdessen durch moderne Fremdsprachen ersetzt werden sollten.
Zudem sollte ein deutlicher Fokus auf Mathematik und Naturwissenschaften liegen. Humboldt sprach sich für eine Einheitsschule einschließlich Elementar-, Schul- und Universitätsunterricht aus, die jedoch durch die Bildungstheorie von Georg Wilhelm Friedrich Hegel abgelöst wurde. Infolge gesellschaftlicher Modernisierung und zunehmender Industrialisierung dominierten Konzepte realistischer Bildung, die beispielsweise auf Georg Kerschensteiner als Initiator beruflicher Bildung zurückgehen.

ntwicklung der Bildungstheorie im 19. Jahrhundert
Die Entwicklung der Bildungstheorie im 19. Jahrhundert

Der Wandel der Bildungstheorie zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Die geisteswissenschaftliche Pädagogik des 20. Jahrhunderts ist eng mit Namen wie Theodor Litt, Wilhelm Flitner oder Herman Nohl verbunden.

Im Gegenzug wurde diese pädagogische Richtung durch Reformpädagoge Siegfried Bernfeld stark kritisiert.

Diskussionen bezogen sich auf materiale und formale Bildungstheorien. Zudem kam die kritische Theorie der Frankfurter Schule auf, die sich auf den Ideologiegehalt von Bildungstheorien bezieht.

Bildungstheorien nach dem Zweiten Weltkrieg

Kritische Gesellschaftstheorien und Studentenbewegungen sorgten dafür, dass der Bildungsbegriff zunehmend in die Kritik geriet. Kritische Forderungen gingen sogar so weit, dass der Wunsch im Raum stand, den Terminus der Bildungstheorie komplett abzuschaffen und durch andere Bezeichnungen wie „Lernen“ zu ersetzen. Im Laufe der Zeit wurden bildungstheoretische Grundhaltungen immer wieder durch Wissenschaftler wie Wolfgang Klafki in der „kritisch-konstruktiven Erziehungswissenschaft“ oder Heinz-Joachim Heydorn in dessen „kritischer Bildungstheorie“ thematisiert.

Andere Wissenschaftler wie Winfried Marotzki oder Otto Hansmann versuchten, in den 1980er Jahren ein Kooperationsprojekt zu starten. Dieses Projekt zielte darauf ab, bisherige Bildungstheorien auf Fakten der Entwicklung der Gesellschaft während des letzten Drittel des 20. Jahrhunderts anzupassen. Mittlerweile liegen zu der Thematik zwei Bände vor, die sich unter anderem der Wissenschaft, Politik, Wertorientierung sowie Wirklichkeitsverarbeitung widmen.