Bildung

Digitaler Unterricht verschärft Ungleichheit

Digitaler UnterrichtDigitaler Unterricht verschärft Ungleichheit

Durch den Nationalen Bildungsbericht 2020 wurde gezeigt, dass das deutsche Schulsystem auf das Homeschooling nur unzureichend vorbereitet ist, da die Digitalisierung an den Schulen noch ausbaufähig ist. Durch den digitalen Unterricht hat sich die Chancenungleichheit durch unterschiedliche Bildungsbedingungen zu Hause noch weiter verschärft. Vor allem Kinder aus ärmeren oder bildungsbenachteiligten Familien sind davon betroffen und haben Schwierigkeiten, beim Lernen mit ihren Klassenkameraden mitzuhalten.

Digitale Ausstattung in den Familien oft unzureichend

Durch die Corona-Pandamie findet das Lernen überwiegend zu Hause im Homeschooling statt. Voraussetzung dafür ist die Ausstattung mit den dafür erforderlichen technischen Geräten wie einem Tablet oder Laptop. Der Zugang zu den digitalen Medien ist allerdings von der sozialen Herkunft der Familien abhängig. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) haben nur knapp 15 Prozent der Zwölfjährigen und 27 Prozent der Vierzehnjährigen aus Hartz-IV-Haushalten einen eigenen Computer. Insgesamt verfügen fast 28 Prozent der Zwölfjährigen und beinahe 42 Prozent der 14-Jährigen über solch ein Gerät. Somit haben Kinder, die in ärmeren Familien aufwachsen, seltener einen eigenen Computer und zudem befindet sich auch im gesamten Haushalt oft kein solches Gerät. Zehn bis 30 Prozent aller Schülerinnen und Schüler konnten aufgrund mangelnder technischer Ausstattung nicht im vollen Umfang am Homeschooling teilnehmen. Damit hängen diese Kinder mit dem Unterrichtsstoff stark hinterher.

Unterstützung beim Lernen durch die Eltern variiert

Die technische Ausstattung unterscheidet sich je nach sozialer Herkunft und finanzieller Situation der Familien zwar stark, was den Stellenwert der Schule für den Lebensweg der Kinder betrifft, gibt es hingegen zwischen Familien unterschiedlicher Schichten kaum Unterschiede. So gaben 90 Prozent der Schüler an, von ihren Eltern regelmäßig zum Lernen motiviert zu werden; bei Kindern aus Migrantenfamilien oder in Hartz-IV-Haushalten war sogar noch höher.

Somit sind zwar alle Familien gewillt, ihre Kinder bestmöglich beim Lernen zu Hause zu unterstützen, allerdings gelingt dies nicht allen Eltern im gleichen Maße. Eltern mit niedrigerem Bildungsgrad können ihren Kindern oftmals weniger Unterstützung bei den Schulaufgaben geben als Eltern mit höherem Bildungsstand. Somit sind nicht alle Kinder auf dem gleichen Wissensstand. Vor allem bei Familien mit Migrationshintergrund mangelt es zudem am Sprachverständnis, sodass die Eltern die Kinder nicht unterstützen können.

Welche Familien sind besonders stark betroffen?

Das digitale Lernen stellt einige Familien vor besonders starke Herausforderungen:

  • Familien mit geringen finanziellen Mitteln: Für das Homeschooling ist eine angemessene technische Ausstattung notwendig, die sich Familien mit geringem Einkommen oder Hartz-IV-Haushalte oftmals nicht leisten können.
  • Familien mit geringem Bildungsgrad oder Migrationshintergrund: Verfügen die Eltern nur über einen geringen Bildungsgrad oder über unzureichende Deutschkenntnisse, können sie ihre Kinder bei den schulischen Aufgaben nur bedingt unterstützen.
  • Familien mit vielen Kindern: Je mehr Kinder in einem Haushalt wohnen, desto weniger Zeit können die Eltern für jedes Kind zur Unterstützung beim Lernen aufbringen.
  • Alleinerziehende: Alleinerziehende haben ebenfalls weniger Zeit ihre Kinder intensiv zu betreuen.
  • Familien mit wenig Platz: In einigen Familien steht nicht jedem Kind ein eigenes Zimmer zur Verfügung, indem es ungestört lernen kann.
  • Familien in strukturschwachen Regionen: Für den digitalen Unterricht ist eine stabile Internetverbindung notwendig, die allerdings nicht in allen Regionen Deutschlands vorhanden ist.

Welche Maßnahmen seitens der Schulen sind notwendig?

Schulen sollten dazu beitragen, die Chancenungleichheit beim digitalen Lernen möglichst gering zu halten. Zunächst müsste gewährleistet werden, dass alle Schülerinnen und Schüler über die notwendige technische Ausstattung verfügen, da diese die Grundvoraussetzung für das Homeschooling darstellt. Wenn möglich, sollten daher benachteiligten Kindern Laptops oder Tablets leihweise zur Verfügung gestellt werden. Zudem ist es wichtig, die Anforderungen an die Eltern möglichst gering zu halten. Viele Eltern sind zeitlich nicht in der Lage, ihre Kinder angemessen beim Lernen zu unterstützen oder können dies aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse oder einem geringen Bildungsstand nicht. Daher sollten Schulen beispielsweise die Aufgaben für die Kinder so gestalten, dass diese selbsterklärend sind und ohne die Hilfe von Erwachsenen erledigt werden können. Zudem ist es wichtig, dass die Lehrer im regelmäßigen Austausch mit ihren Schülern stehen und diese bei Fragen unterstützen können.