Finanzen

Was ist Inkasso und wie funktioniert es?

Was ist InkassoWas ist Inkasso und wie funktioniert es? - Bild: © mapoli-photo #443217172 – stock.adobe.com

Inkasso ist ein wichtiges Thema bei offenen Rechnungen. Ganz gleich, ob Schuldner eine Zahlungsaufforderung erhalten oder eigene Kunden eine Rechnung nicht bezahlen. In Situationen wie diesen ist Handlungsbedarf gefragt.

Inkasso – was ist das?

Inkasso ist eine geschäftliche Aktivität, die sich auf das Eintreiben von fälligen Forderungen bezieht. Erfahrungsgemäß entstehen Inkassofälle, falls Forderungen – überwiegend Rechnungen – nicht oder nur zum Teil bezahlt werden. In diesen Situationen ist Inkasso hilfreich, um aus offenen Geldforderungen entstandene Schulden zu begleichen oder eine Einigung zwischen Schuldner und Gläubiger zu erzielen.

Inkassomaßnahmen zielen darauf ab, das Risiko von Zahlungsausfällen zu minimieren.

Gläubiger erhalten dadurch die Gelegenheit, ihre ihnen rechtmäßig zustehende Zahlung binnen kurzer Zeit zu erhalten. Für Schuldner ist Inkasso eine gute Option, um den Mahnprozess abzuschließen und die Schulden zu begleichen.

Inkasso ist eine geschäftliche Aktivität
Für Schuldner ist Inkasso eine gute Option, um den Mahnprozess abzuschließen und die Schulden zu begleichen – Bild: © penofoto.de #36673323 – stock.adobe.com

Häufige Gründe für Schulden

Gewerbliche Schuldner machen Schulden oftmals aus anderen Gründen als private Schuldner. Bei Gewerbetreibenden sind häufig Zahlungsausfälle eigener Kunden, kurzzeitige Engpässe oder drohende Insolvenzen dafür verantwortlich, dass gegen gewerbliche Schuldner ein Inkassoverfahren eingeleitet werden muss. Weitere Umstände wie eine schlechte Auftragslage oder zu wenig Eigenkapital führen ebenfalls oft dazu, dass Gewerbetreibende in die Schuldnerfalle tappen.

Private Schuldner sind hingegen zumeist von einer Überschuldung, Arbeitslosigkeit oder einem kurzzeitigen finanziellen Engpass betroffen, wenn sie Schulden machen. Weitere Gründe sind ein vorsätzliches Ignorieren von Rechnungen, Vergesslichkeit oder Reklamationen durch Kunden.

Häufige Gründe für Schulden
Gewerbliche Schuldner machen Schulden oftmals aus anderen Gründen als private Schuldner – Bild: © photobyphotoboy #284962781 – stock.adobe.com

Details zur Funktionsweise von Inkasso

Nicht alle Schuldner sind willens oder dazu in der Lage, Rechnungen termingerecht zu bezahlen. Bei ausbleibenden Zahlungen haben Gläubiger die Option, die Inkassofälle durch spezialisierte Inkassounternehmen bearbeiten zu lassen. Die Inkasso-Spezialisten kümmern sich in Vertretung für ihre Auftraggeber darum, die fälligen Forderungen einzuziehen.

Gängige Maßnahmen des Inkassoverfahrens sind Optionen für vorgerichtliches Inkasso über gerichtliche Mahnverfahren bis hin zur Überwachung titulierter Forderungen.

Gängige Inkasso-Tätigkeiten sind eine Durchführung individueller Mahnstrategien, Schuldnerkommunikation, Zahlungsvereinbarung, Fristüberwachung, eine Beantragung gerichtlicher Mahnbescheide sowie eine gezielte Einleitung erfolgversprechender Inkassomaßnahmen. Die Inkasso-Spezialisten nehmen eine Vermittlerposition zwischen Gläubiger und Schuldner ein.

Details zum Ablauf eines Inkassoverfahrens

Generell steht es gewerbetreibenden und privaten Gläubigern frei, ein Inkassoverfahren einzuleiten. Ein Inkasso für Privatpersonen oder für Gewerbetreibende unterscheidet sich nicht. Somit können Privatpersonen aus den gleichen Inkassooptionen schöpfen wie Unternehmen. Inkassoverfahren laufen in mehreren Schritten ab.

Details zum Ablauf eines Inkassoverfahrens
Generell steht es gewerbetreibenden und privaten Gläubigern frei, ein Inkassoverfahren einzuleiten – Bild: © Zerbor #250203175 – stock.adobe.com

Das schriftliche Mahnverfahren

Im Rahmen eines vorgerichtlichen Inkassos wird die aktuelle wirtschaftliche Situation sowie die Bonität der Schuldner genauer unter die Lupe genommen. Daraufhin leiten die Inkassoexperten das schriftliche Mahnverfahren ein. Tritt innerhalb einer festgelegten Frist kein Zahlungseingang ein, nehmen Mitarbeiter der Inkassounternehmen zumeist telefonisch zu den Schuldnern Kontakt auf.

Im Erfolgsfall einigen sich alle Beteiligten auf eine Zahlungsvereinbarung, deren Details sich nach der Forderungshöhe sowie dem jeweiligen Inkassofall richten.

Erbringt das vorgerichtliche Inkasso nicht den erhofften Erfolg, schließt sich im nächsten Schritt die Beantragung eines Mahnbescheids an. Dieses Dokument hemmt die Verjährung und sichert die Forderung der Gläubiger ab. Im nächsten Schritt können Gläubiger einen Vollstreckungsbescheid beantragen. Falls die Schuldner gegen dieses Dokument keinen Einspruch einlegen, ist der sich daraus ergebende Vollstreckungsbescheid ein rechtskräftiger Titel.

Zwangsvollstreckung als nächster Schritt

Erbringt der Vollstreckungsbescheid nicht den erhofften Erfolg, ist eine titulierte Forderung im Rahmen einer Zwangsvollstreckung die nächste juristische Konsequenz. Diese Zwangsvollstreckungsmaßnahmen schließen Kontaktaufnahmen zu Gerichtsvollziehern, Pfändungen oder weitere Anträge ein.
Falls die Urteile nicht vollstreckt werden können, dürfen Inkassobüros die Schuldner auch langfristig kontrollieren. Die Gläubigertitel behalten über 30 Jahre hinweg ihre Gültigkeit. In diesem Zeitraum können immer wieder neue Vollstreckungsversuche unternommen werden, falls sich die finanzielle Situation der Schuldner verändert.

Zwangsvollstreckung als nächster Schritt
Erbringt der Vollstreckungsbescheid nicht den erhofften Erfolg, ist eine titulierte Forderung im Rahmen einer Zwangsvollstreckung die nächste juristische Konsequenz – Bild: © Wayhome Studio #132529227 – stock.adobe.com

Inkasso für Schuldner

Im Falle eines eingeleiteten Inkassoverfahrens sollten Schuldner die Forderung keinesfalls ignorieren. In jedem Inkassofall sind betroffene Schuldner gut beraten, zum jeweiligen Gläubiger oder dem vertretenden Inkassodienstleister Kontakt aufzunehmen.

Verstreichen die gesetzten Zahlungsfristen, verzögert sich der Inkassoprozess automatisch.

Mit dem Verfahren verbundene Kosten steigen im Laufe der Zeit immer weiter. Dennoch sind die Schuldner angehalten zu überprüfen, ob die Forderungen gegen sie auch tatsächlich gerechtfertigt sind. Ist dies der Fall, sollten sie den geforderten Betrag nach Möglichkeit innerhalb der gewünschten Frist überweisen.

Wichtige Informationen im Inkassoschreiben

Alle wichtigen Kontaktdaten und Zahlungsinformationen sind stets im Inkassoschreiben vermerkt. Eine ehrliche und offene Kommunikation hilft allen Betroffenen dabei, die Angelegenheit so unkompliziert wie möglich abzuklären. Ein häufig genutzter Kompromiss ist eine Vereinbarung von Zahlungslösungen, mit deren Hilfe die Schulden kontinuierlich abgebaut werden können.

Wichtige Informationen im Inkassoschreiben
Alle wichtigen Kontaktdaten und Zahlungsinformationen sind stets im Inkassoschreiben vermerkt – Bild: © patrickjohn71 #177793048 – stock.adobe.com

Inkasso für Gläubiger

Offene Rechnungen können die Liquidität von Gläubigern massiv einschränken. Insbesondere bei hohen finanziellen Außenständen entsteht schnell ein großer finanzieller Druck. Deshalb ist es wichtig, die Inkassomaßnahmen so schnell wie möglich einzuleiten und Forderungen infolge eines Zahlungsverzugs konsequent durchzusetzen.

Wer den Aufwand für die Forderungseintreibung in Grenzen halten möchte, sollte sich an Inkasso-Spezialisten wenden.

Durch eine Beauftragung der Spezialisten erhöhen sich zugleich die Chancen für ein erfolgreiches Inkassoverfahren. Viele Schuldner signalisieren bei Kontaktaufnahme durch ein Inkassounternehmen ihren Zahlungswillen. Automatisch befindet sich die Durchführung des Inkassofalls dadurch in professionellen Händen.

Kosten eines Inkassoverfahrens

Genaue Inkassokosten variieren von Anbieter zu Anbieter. Weil viele Inkassounternehmen jedoch erfolgsbasiert tätig sind, gehen Gläubiger bei dieser Vereinbarung kein finanzielles Risiko ein. Im Falle eines Zahlungsausfalls müssen Gläubiger die anfallenden Inkassokosten deshalb nicht bezahlen.

Eine generelle Regelung sieht vor, dass Schuldner für gewöhnlich durch den Inkassoauftrag entstandene Kosten übernehmen. Zu dieser Kostenaufstellung gehört nicht nur die Hauptforderung. Schuldner sind ebenfalls zur Begleichung der Nebenforderung verpflichtet, die infolge des Zahlungsverzugs anfallen. Die wichtigsten Bestandteile dieser Nebenforderung sind Mahn- und Inkassokosten, Bankgebühren, Zinsen, Recherche- sowie Zwangsvollstreckungsgebühren. Eine Summierung all dieser Kosten führt dazu, dass finanzielle Belastungen für die Schuldner während des Inkassoverfahrens stetig ansteigen. Aus finanziellen Gründen sollten Schuldner deshalb stets bestrebt sein, schon während des vorgerichtlichen Inkassos eine Einigung zu finden.